Die Wirtschaft von Fažana um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert

Die Entwicklung vom kleinen armen Fischerort zu einem Produktionszentrum und beliebten Ausflugsort von Touristen verlief für Fažana sehr schnell wie die Entwicklung des Südens von Istrien am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der österrreichische Unternehmer Carl Warhanek brachte im Jahr 1884 frischen Wind nach Fažana, indem er eine Fischkonservenfabrik eröffnete. Das war neun Jahr bevor Kupelwieser nach Brioni kam. Die Fabrik beschäftigte bis zu 200 Frauen und Männer, so dass das Fischen nicht mehr die einzige Einkommensquelle war. Von 608 Seelen im Jahr 1880 wuchs Fažana auf 717 Einwohner.
In dem Ort gab es schon seit 1864 eine Post. Es gab regelmmäßige Schiffsverbindungen mit Triest, Rovinj und Pula. Seit 1900 gab es einen zweimal täglich verkehrenden Postomnibus nach Pula. Mit der Zeit entwickelte sich der Handel, das Gastgewerbe, aber auch Produktionsstätten. In Valbandon begann man schon 1875 mit der ersten Austerzucht. 20 Jahre später wurde auch mit der erstes Eisproduktion begonnen, obwohl das eine falsche geschäftliche Überlegung war. Im Jahr 1897 eröffnete Rodolfo Marincovich, einer aus der zahlreichen und unternehmerischen Familie in Fažana eine Likör- und Destilleriefabrik, „Premiata distileria e fabbrica liquori“. Die Familie war 30 Jahre davor von der Insel Vis hierher gekommen. Die nächste große wirtschaftliche Veränderung war der Verkauf der Eisfabrik von Valbandon im Jahr 1899 an Berliner Unternehmer, die Firma Klink & Lauer. Sie begannen in der Meeresbucht eine Aquakultur der Krebszucht. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstand ein Hotel, eine Bade- und Heilanstalt und es gab Ausflugsangebote.
Der Tourismus wurde in Fažana ernst genommen – 1902 eröffnete Giacomo Sfecich ein Hotel. Fausto Marincovich eröffnete im Jahr 1905 das Hotel Café „Zum neuen Molo“. Das „Ristorante al belveder“ im Besitz von Inocente Massimo Marincovich wurde von Arturo Marincovich übernommen. Mit dem Hotelgewerbe beschäftigte sich auch Giacomo Marincovich, der 1905 eine Essig- und Bonbonfabrik eröffnete. An der alten Riva befand sich die „Trattoria della Sanitá“ von Vittorio Privileggio. Er fühte viele Jahre im Gebäude von Sfecich das Restaurant „Ai Bagni“, aber auch eine Abfüllanlage für Mineralwasser. Dort wurde später das erste Getränk Pašareta hergestellt. Am Platz der alten Schule betrieb sein Bruder Dante ein großes Nahrungsmittelgeschäft. Carlotta Tamburin hatte in der Nähe der Pfarrkirche einen Laden. Die Herrschaften aus Pula wurden, so schrieben die damaligen Zeitungen, an die Riva von Fažana durch oftmalige Vergnügungen und Abendessen angezogen. Bei Sfecich aß man italienische und deutsche Gerichte, trank Dreher Bier und Hauswein, bei Marincovich war Pilsner Bier eine Attraktion…
Nach dem Ersten Weltkrieg, nachdem Istrien zum Königreich Italien gekommen war, wurde die Warhanek-Fabrik von dem Triestiner Unternehmen Arigoni übernommen. Die Familie Tamburin wurde von da an Tamburini geschrieben und Marincovich, die zahlenmäßig größte Familie von Fažana, die sich aus Fischern, Schiffsbesitzern, Gastwirten, Fabrikanten, Fotografen und Arbeitern zusammensetzte, wurde zu Marini. Mit diesem Namen erweiterten sie ihre Tätigkeiten. Sie hatten sogar eine Autogarage. Die Familie Fabretto war mit einer Bar, einem Restaurant und Handel von Tabak und Salz … erfolgreich. In diesen Jahren betrieben die Familien Borsatti, Carlin, Pinosa, Moscarda, Ferro, Andrioli, Draghesich, Petrich, Carlovich, Tarticchio, Meden, Cutti, Giacomini, Puia, Trobis, Bogo, Cernaz, Cancellier, Giobbe, Scabozzi, Sorbola, Borsi, Cortese, Hreglia, Stossi…Handel, Gastgewerbe, Handwerke und andere Tätigkeiten.
Die meisten von ihnen schlossen sich im Jahr 1947, als Istrien Jugoslawien zuerkannt wurde, dem Exodus an und verließen Fažana. Die alten Betriebe von Warhanek übernahm die Fabrik für die Fischverarbeitung „Mirna“ aus Banjole. Rodolfo Marini (früher Marincovich) übergab bis zum August des genannten Jahres die Likörfabrik an den Staat. Von da an gab es die Marincovich nicht mehr in Fažana. Ihren unternehmerischen Geist nahmen sie nach Italien und Südamerika mit. Aber die Destillerie-, Likör- und Sirupfabrik „Fažana“ bewahrte noch sehr lange die alte Rezeptur und betonte auf Etiketten ihrer Produkte mit Stolz „ex Marincovich“!